Mittags kommt meine Tochter hungrig von der Schule und frägt mich was es heute zu essen gibt. Offengestanden, ich weiß es nicht! Wie so oft.

Mit dem Blick ins Gemüsefach des Kühlschrankes gehe kurz in mich und schau bzw. fühle, nach was es mir heue gelüstet, nach was mein Körper verlangt:
„Es gibt Kartoffeln mit Champignons-Chicoréegemüse und überbackenen Schafskäse, meine liebe Tochter, – für dich natürlich ohne Schafskäse“! (Sie darf keine Laktose zu sich nehmen, da sie unter einer Stoffwechselkrankheit leidet, die eine lebenslange laktosefreie Diät erfordert). Dazu machen wir den Rest Feldsalat.

Da das Hinauszögern der Mahlzeiten ja erwünscht ist um den Gaumen auch so richtig in Vorfreude zu bringen und den Speichelfluss anzuregen sehe ich die Zubereitungs- und Garzeit als eine wertvolle Zeit an. Jetzt genieße ich nicht nur das Kochen an sich sondern auch die Garzeit (die ich sonst eher ungeduldig und auf den Hungergefühl konzentriert ausharrte). Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude :)

Die Mahlzeit ist angerichtet. Von Mal zu Mal (oder auch Mahl zu Mahl) erscheint es mir viel leichter, nicht gleich alles in mich hineinzuschlingen. Trotz gutem Geruch/Aussehen und Appetit.

Die Verlagerung auf „das zu genießen und auszukosten was sich aktuell im Mund befindet“ , auf den Geruch, auf das Aussehen, auf die Reaktionen des Körpers, das alles verändert die ganze Atmosphäre beim Essen. Ja auch die ganze Einstellung dazu. Es wird viel ruhiger, es entschleunigt. Und es wird dadurch auch noch viel wertvoller. Nicht dass ich gutes Essen nicht vorher schon gewertschätzt hätte, aber das extreme verarbeiten der Eindrücke beim Essen vervielfacht den Wert eben doch noch einmal um einiges.

Ich genieße dieses köstliche Mahl mit meiner Tochter und bin erstaunt darüber, dass ich mittlerweile noch länger am Essenstisch verweile wie sie. Denn normalerweise aß sie immer viel länger als ich, oder aber ich war schon mit der zweiten Portion fertig während sie immer noch am ersten Teller verweilte.
Die Zeit für so ausgiebiges Essen werde ich natürlich nicht immer zur Verfügung haben, deshalb bin ich sehr gespannt wie es weitergeht.

Eine weitere Veränderung bemerke ich jetzt auch schon an der Menge. Gestern verkleinerte ich meine Gemüse-Abo-Kiste! Wer soll das denn alles essen? Jetzt wo ich grundsätzlich mit einer Portion satt bin, nicht mehr alles in einem Topf schmeiße…
auch das Kochen ist eine Umstellung auf „klein“. Zwar esse ich auch gerne eine Mahlzeit doppelt, z. B am Mittag und am darauffolgenden Abend oder die Kinder/ der Mann isst noch abends warm, aber zu viel ist einfach zu viel. Und das gute Gemüse wegschmeißen, wo so viele Hände, Menschen, Mühen drinstecken, – das kommt gar nicht in Frage.

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