Ich wache NICHT hungrig auf, kein Verlangen nach irgendetwas. Ich fühle in meinen Bauch hinein und er scheint mir freudig und zufrieden entgegen zu strahlen. Alles fein! Die Nacht über habe ich rein gar nichts mitbekommen aus „meiner Mitte“ und der Schlaf war sehr erholsam.

Nach der Dusche mache ich mich über das Frühstück her. Im Kühlschrank ist noch Birnenkompott und auch der Rest vom Maronen/Feigen/Haferflockenbrei. Wunderbar, – ich wärme es zusammen am Herd auf und bereite mir gleichzeitig einen grünen Banchatee zu.

Über Kaffee verschwende ich nicht einen Gedanken obwohl ich ihn doch sonst ganz gerne mag. Ich bemerke, dass ich ständig hüsteln muss, komisch ausgerechnet jetzt, wo doch alles supergesund ist!? Als der erste kleine Schleimbrocken meine Mundhöhle erreicht fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Der Schleim im Körper löst sich, – logisch, das ist die Folge von einer gut funktionierenden Milz (in der TCM steht das Milz/Magensystem stellvertretend für das Verdauungssystem im Westen). Der schon vorhandene Schleim im Körper wird gelöst und ausgeschieden. Jetzt kann ich es auch gleich positiv sehen und kämpfe innerlich nicht mehr dagegen an. Im Gegenteil ich freue mich darauf dass der Körper so schnell reagiert und eine Reinigung in Gang setzt.

Das Schälchen mit dem Frühstück steht vor mir, der Tee dampft in der Tasse und die Familie ist aus dem Haus. Ich sitze staunend da und genieße die Vorfreude auf das ruhige Frühstück das mir bevorsteht. Staunend deshalb, weil ich normalerweise von Verlangen gedrängt und gefordert werde und das diesmal einfach nicht da ist! Mittlerweile schaffe ich es sogar bewusst den Löffel zum Mund zu führen.

Der erste Bissen (Löffel) ist besonders aufregen neu. Und siehe da, mein Gehirn scheint jetzt zu wissen, dass jetzt erst einmal kauen und zählen bis dreißig angesagt ist. Ich lasse den Bissen erst einmal fühlend und betastend im Mund liegen. Spüre wie der Speichel sofort beginnt den Brei zu verdünnen. Dann der erste Biss, ganz sanft in die Birne. Obwohl ich kaum beiße oder drücke scheint sich der Inhalt meines Mundes zu zerlegen, ganz von alleine gibt er sich seinem Schicksal hin.

Höchste Aufmerksamkeit ist angesagt denn gleich will der Schluckreflex mir meine ganze Freude auf einem Schlag (wortwörtlich) verschlingen. Deshalb schiebe ich den Nahrungsbrei zum richtigen Zeitpunkt mit der Zungenwurzel schnell wieder nach vorne in den vorderen Bereich der Mundhöhle, weg vom gefährlichen Schlund.Aber jetzt bin ich auch schon bei dreißig angelangt und der erste Schluck darf in den Magen rutschen.

Was mir mittlerweile auch schon sehr viel Freude macht ist das was jetzt kommt. Das „Katzen-Mäulchen-Schlecken“. Ich hab das schon so oft bei unserem Kater gesehen. Das ausgiebige Schlecken des Mäulchens nach einem schmackhaften Fressen. Vergnüglich tue ich es ihm nun nach. Ich säubere mit meiner Zunge akribisch die Zahnräume und beseitige alle winzigen Reste, dann nochmal über die Lippen und …. natürlich nachschmecken. So dauert mein Essen wieder gute 20 Minuten. Das Schälchen ist leer und ich bin rundum zufrieden. Die Tasse Tee ist halbleer, die darf jetzt noch mit zum Schreibtisch.

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